Neuer Freund, neues Schiff und ein bisschen Manipulation

Während
Kreuzfahrten in der Vergangenheit eher ein Selbstgänger gewesen
sind, musste ich mir bei Kim etwas einfallen lassen. Zur Erinnerung:
Für ihn ist es Urlaub, wenn man mit einem Rucksack alleine durch
Indien wandert, möglichst ohne auch nur ein Hotel gebucht zu haben.
11 Tage all inclusive mit absolutem Rundumkümmerservice sind nichts,
was ihn besonders reizen würde. Die Aussicht, dass die einzigen
Dinge, um die man sich wirklich kümmern muss, die Aufgabe darstellt
seinen Koffer am Flughafen zum Bus zu bringen und die nächste diesen
Koffer vom Bus wieder in den Flieger zu bekommen hat weniger
Begeisterung ausgelöst als es das bei mir tut.

Wie habe ich das gemacht? Mit einer Finte! Ich schrieb ihm eine Messsage ins Büro und fragte was er von einer Reise zur alten Kultur auf Zypern, von einem Besuch des Zentrums dreier Weltreligionen in Jerusalem, einem Abstecher zu den Pyramiden von Gizeh und zur Wiege der europäischen Kultur in Athen halten würde. Da war er gleich hin und weg. Das war der richtige Knopf. Dem kommentarlos zu geschickten Link zu dieser Kreuzfahrt konnte er dann nicht mehr widersprechen. Ich nenne das zielgerichtetes Manipulieren mit Win-Win Effekt.

Auch für mich eine
Besonderheit ist das Schiff. Alle bisherigen fünf Mein Schiff
Kreuzfahrten fanden auf der Mein Schiff 2 statt, eine aus der fast
baugleich alten Mein Schiff 1. Dieses mal sollte es nun die Mein
Schiff 3 sein, eines der neueren Schiffe. Neuer Kerl, neues Schiff.
Passt irgendwie.

Die Anreise war problemlos, ein ruhiger Flug und keine Schlange beim Check in. Und das neue Schiff? Ich fremdel noch ein bisschen. Es ist halt nicht mein altes Seefahrerzuhause. Die Kabine ist allerdings ein Knaller. Ein ganz klares +

Schade finde ich das
die Zuzahlrestaurants alle sehr offen zum restlichen Schiff sind. Das
Surf & Turf ist auf den alten Schiffen einer meiner
Lieblingsorte gewesen. Jetzt stehen ein paar Tische nur durch eine
halbhohe Wand vom Rest des Bereiches getrennt im Raum. Aktuell würde
ich sagen das mir das Gesamterlebnis zu schwach ist um dafür extra
zu zahlen.

Apropos Essen: Hier das Menü vom gestrigen Abend. Ich war mutig und habe der Küche eine neue Chance mit meinem laktosefreien Essen gegeben. Das habe ich vor einigen Reisen aufgegeben weil die Enttäuschung zu groß war.

Vorspeise: Fisch mit
Merrrettichschaum. Und schon nahm das Drama seinen Lauf. Um die
Laktose zu vermeiden, haben die Jungs einfach den Meerrettichschaum
weg gelassen. Somit war es nur noch ungewürzter Kochfisch auf dem
Teller. Geht gar nicht!

Suppe: Käsesuppe.
Ein Traum

Zwischengang:
Perlhuhnbrust. Großes Like!

Hauptgang:
Rinderfilet mit Schokoladensauce. Fantastisch. Was für ein riesen
Filet. Perfekt gebraten, die Sauce zum Niederknien.

Dessert: Karameleiscreme. Ein meistens sehr heikler Gang wenn laktosefrei gekocht wird, haben Sie aber toll hin bekommen.

Am Abend hat sie mich dann auch wieder voll Griff gehabt, die Unterhaltungsindustrie. Kleiner Showakt auf dem Pooldeck (wesentlich besser als auf der MS 2), Aperol-Spritz in der Hand und dann meine Große Freiheit. Für die Landratten oder AIDA-Fahrer, das ist die Auslaufhymne auf den Mein Schiff Schiffen. Ich war wie immer tief bewegt. Das ist mein Moment auf den Seereisen. Wenn das Schiff ablegt, die Erinnerungen an den vergangene Tag noch einmal Revue passieren und die Gedanken loslassen. Dabei den Kimischatz im Arm. Einer der wenigen „einfach nur glücklich sein Momente“ im Leben.

Und wie hat Kim den Tag überstanden. Besser als erwartet, es scheint ihm wirklich sehr gut zu gefallen. Gut, die erste Buffettkrise hatten wir bereits beim Mittagessen. Kim kann ja nix wegwerfen und er musste erkennen das diese Taktik hier der sicherer Kalorientod bedeutet. Aber das Eis hat ihn wieder versöhnt.

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