Zypern – Wo die Götter Urlaub machen, warum auch immer

Unser erster Landgang auf dieser Reise führt uns auf die Insel Zypern. Eine Konstante ist die latente Krisensituation der Reiseziele. Zypern ist seit den 70er Jahren im Norden von der Türkei besetzt und heute in den südlichen griechischen Teil und in den türkischen nördlichen Teil geteilt. Dazwischen eine Pufferzone die durch die Uno überwacht wird. Kriegerische Auseinandersetzungen gibt es zum Glück schon lange nicht mehr.

Zypern hat seit den
60er Jahren einen großen Aufschwung erfahren und sich von einem
Bauernstaat zu einem touristisch geprägten Land entwickelt. Bis ins
Jahr 2006. Zypern wurde sehr hart durch die Finanzkrise getroffen und
war praktisch Bankrott. Seit dem hat sich die wirtschaftliche Lage
zwar deutlich erholt, der Lebensstandard ist aber weiterhin deutlich
unter dem vor 2006.

Bereits beim Verlassen des Schiffes werden wir im modernen Hafenterminal von einer Folkloregruppe erwartet. Kim steht kurz vor dem Pauschaltoursitenkoller und ich war für einen Moment nicht sicher ob er das Schiff überhaupt noch verlassen wird. Er war aber tapfer und wir sind schnell an der Truppe vorbei gehuscht. Das einheimische Getränke und Süßigkeiten gereicht wurden fand ich aber schon wieder ziemlich nett. Man gibt sich Mühe mit den Touristen.

Erster Stopp war der Felsen der Aphrodite. Dieser gilt in der griechischen Mythologie als deren Geburtsort. Für mich persönlich ist die Aphrodite ja keine sympathische Person. Nur weil Adonis kein Interesse an ihr hatte hat sie ihn bestraft. Ich kann das ja nachvollziehen, was soll der Adonis mit ihr wenn er auch einen der wunderbar muskulösen männlichen Götter hätte haben können? Das ist Diskriminierung im Altertum gewesen! Ganz eindeutig. Wir sollten das beim nächsten CSD einmal thematisieren! Aber zurück zur Reise: Ein wirklich schöner Flecken Erde war das in dieser Bucht.

Dann weiter für eine gute Stunde über die Insel. Wie soll ich sagen, ziemlich langweilig das Ganze. Erst sehr karg, später deutlich grüner. Typische Bebauung wie man sie in allen Mittelmeerländern finden kann, inkl. diverser Bauruinen. Vielleicht haben wir auch nur die falschen Ecken gesehen, aber ich kann wirklich nicht sagen das die Insel mich gepackt hätte.

Aber weiter mit dem Tag, eine Wanderung in der Schlucht von Avagas steht auf dem Programm. Wanderung ist etwas viel gesagt, es ist ein größerer Spaziergang. Die Landschaft war wirklich beeindruckend. Das sich zum Meer hin öffnende Tal verengte sich zusehend und endete in einer engen Schlucht durch die ein kleiner Wasserlauf führt. Eine recht dichte Vegetation, klettern über Steine die im Wasser liegen. Das hat Spaß gemacht. Mit unserer Reisegruppe hatten wir Glück. Wir haben einige nette Gespräche geführt. Unser Aufenthalt in Ägypten scheint viele der Mitreisenden zu beschäftigen. Da denkt der eine oder andere tatsächlich darüber nach ob er auf dem Schiff bleiben soll. Diese Ängstlichkeit kann ich nur schwer nachvollziehen.

Kommen wir zu den wichtigen Dingen auf so einer Kreuzfahrt: Das Essen! Mittags haben wir Lust auf Fastfood gehabt. Es gab Schnitzel und Pizza. Sehr sehr lecker. Am Abend dann wieder das übliche Menü. Kaninchen, Lamm, Libanesischer Pfannkuchen. Ich habe so gar nichts zu meckern. Die laktosefreie Küche an Bord der Mein Schiff Flotte ist bis auf weiteres vollständig rehabilitiert.

Und dann hatte ich
ein bisschen Angst vor der Abendgestaltung. Im Theater heute der
Musicalabend. Ein Musicalabend auf einem Kreuzfahrtschiff mit Herrn
Mathi!!!! Ich bin immer noch ein wenig traumatisiert von seiner
Reaktion auf Gitte Haenning in Lübeck. Und die ganz große Musical
Kunst habe ich auf dem Kahn von vornherein nicht erwartet. Bei Kim
hat man aber immer die berechtigte Sorge, dass er aufsteht und das
Ensemble ausbuht wenn es zu schlecht wird! Bei Frau Haennig hat er
damit offen gedroht und hat sich nur mit zwei Gläsern Rotwein auf Ex
unter Kontrolle halten können.

Die Angst war aber unbegründet. OK, heute wurde einem deutlich vor Augen geführt, dass noch lange nicht jede Stimme jedes Lied singen kann. Wir haben gelernt, dass ein russischer Akzent in deutschen Musicaltexten etwas humoristisches hat (besonders wenn die Sängerin dann bei einem Catslied an einem Trapez hängend die Bühne verlässt). Insgesamt war es aber eine echt tolle Show! Die Rocky Horror Show hätte ich von diesem Ensemble gerne komplett gesehen. Der König der Löwen wurde mit viel Liebe zum Detail auf die Bühne gebracht und die Technik war viel aufwendiger als ich es erwartet hätte. Und Kim? Wenn wir den Cats-Teil einmal ausblenden war er recht begeistert. Manchmal unterschätze ich ihn ein bisschen darin, wie gut er die Dinge in ihrem Kontext beurteilen kann.

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