Alexandria – die schöne Braut am Mittelmeer

Israel war sehr anstrengend. Die vielen Eindrücke haben sich noch nicht gesetzt und die Nächte waren kurz. Daher bin ich wirklich froh, dass wir erst am Mittag in Alexandria anlegen werden. Mehr als einen kurzen Spaziergang habe ich nicht geplant, immerhin wartet morgen der Ausflug nach Kairo. Unsere Reiselektorin Nadja Münchenhagen, selbst in Ägypten wohnhaft hat uns eines besseren belehrt. Ihre Vorträge sind uns immer ein Genuss, mit viel Humor und den Informationen, die wir für einen Aufenthalt an Land brauchen. Wir freuen uns jedes Mal auf den nächsten Vortrag. Ein Teil der Informationen in meinen Berichten stammen von ihr. Das spart viel Zeit bei Wikipedia und ist auch authentischer.

Alexandria
hat ca. 5 Millionen Einwohner. Kann auch etwas weniger sein, so genau
weiß man das in Ägypten nicht. Die Stadt wurde von Alexander dem
Großen gegründet und war lange das kulturelle Zentrum am
Mittelmeer. Stichwort: Die große antike Bibliothek. Im Sommer können
auch schon einmal 8 Millionen Menschen in der Stadt sein. Wer auch
immer in Kairo das Geld dafür hat kauft sich in Alexandria eine
Wohnung. Dort verbringen die Frauen dann oft mit den Kindern den
ganzen Sommer (3,5 Monate Sommerferien) und die Männer kommen an den
Wochenende und in ihrem Urlaub (Beamte ca. 60 Tage im Jahr).

Bereits
an Bord die Passkontrolle. Dass die ägyptischen Beamten viel zu spät
an Bord gekommen sind wunderte mich nun nicht. Die Passkontrolle war
allerdings beeindruckend. Es gab keine. Die Beamten haben den Ausweis
einfach hinten aufgeklappt und den Stempel rein gedrückt. Da hätten
wir mit jedem Ausweis hin gehen können, das wäre niemals
aufgefallen.

Das schöne Alexandria präsentierte sich erst einmal von seiner weniger schönen Seite. Das hatte die Lektorin bereits angekündigt. Wie in vielen Häfen dieser Welt sind die besten Ecken nicht direkt am Hafen. Aufgerissene Gehwege zwischen den hohen Häusern bröckelnde Fassaden, alles ein wenig improvisiert. Weiter hinten in der Stadt dann aufgerissene Gehwege zwischen hohen Häusern und bröckelnde Fassaden. An vielen Häusern kann man noch erkennen wie schön und mondän Alexandria einmal gewesen ist. Die Braut ist aber in die Jahre gekommen.

Der Gang durch die Straßen war trotzdem ein wunderbar faszinierendes Erlebnis. Das Leben pulsiert, überall Stände mit frischen Lebensmitteln und allerlei Zubereiteten. Leider sollte man in Ägypten gekauftes Essen und Getränke nur mit Vorsicht genießen. Ein längerer Toilettenaufenthalt könnte die Folge sein. Meine Seele und mein Magen wollten nicht aufhören zu weinen ob des Verzichtes um einmal in der wunderbar blumigen ägyptischen Ausdrucksweise zu bleiben.

Da Alexandria wie bereits gesagt ein beliebtes Wohn- und Reiseziel ist, ist die Stadt entsprechend gewachsen. Sie zieht sich über 30km mit einer geschlossenen Hochhausfront die Küste entlang. Das Spannende: Die Häuser sind gar nicht alle als Hochhäuser geplant. Genehmigt wurden vier Etagen, da der Bedarf aber nun einmal da ist werden eben noch einmal 10 Etagen oben auf gesetzt. Das sieht man den Gebäuden auch an, teilweise sind sie bedenklich schief. Es ist auch schon vorgekommen, dass so ein Gebäude einfach umgefallen ist. Baut man dann eben wieder auf, da ist man hier nicht so.

Ein erstes Ziel war die große, wunderschöne Moschee der Stadt. Das sandsteinfarbige Gebäude zusammen mit den Nebengebäude und den Minaretten einen riesigen Komplex. Ich dachte, dass ich aufgrund meiner kurzen Hose nicht hineingehen könnte aber wir wurden gleich herein gewunken. Einen Fehler, den ich auf Reisen in arabische Länder nicht mehr machen werde ist der, keinen Berg Kleingeld mitzunehmen. Es ist einfach ein Zeichen guten Benehmens wenn man dem Schuhwächter etwas für seine Dienste gibt. Das Dilemma: Wir wollten unbedingt hinein in diese Moschee, hatten aber nur einen 10€ -Schein in der Tasche. Ich sage es mal so, der alte Mann hat das Geschäft des Tages gemacht.

Im Inneren herrscht die in Moscheen einzigartige lebendige und trotzdem andächtige Atmosphäre. Einzelne Betenden im vorderen Bereich, spielende Kinder, leise diskutierende Männer im hinteren Bereich. Die Frauen waren im eigenen abgetrennten Bereich. Wir habe uns auf den Boden gesetzt und die Stimmung genossen. Eine sehr friedliche Stimmung. Vielleicht ist eines der Probleme, dass wir mit dem Islam haben der seltene Kontakt abseits der Probleme des politischen Islamismus. Ich war nun zum zweiten mal in einer Moschee und ich bin jedes mal nur sehr freundlichen, hilfsbereiten Menschen begegnet.

Weiter ging es zurück an die Promenade. Hier wirkt Alexandria sehr europäisch. Junge Paare schlendern den Weg entlang, sitzen auf der Mauer. Unser Ziel ist die neue große Bibliothek von Alexandria, ein sehr moderner, beeindruckender Bau. Leider haben wir da einen ziemlich langen Weg vor uns, den wir zum Teil auch wieder in der Stadt zurücklegen um mehr von der von unseren Städten so unterschiedlichen Stimmung zu genießen.

Und nicht nur wir hatten etwas zu gucken, auch die Alexandriner haben etwas zu schauen gehabt. Ich war schlicht eine Sensation! Piercing in der Nase und ein komplett tätowiertes Bein sieht man hier nicht besonders häufig. Gucken wollten sie alle, viele haben freudig gelacht, mich angesprochen wie toll sie das fänden. Eine Mutter wollte sogar für ihre Tochter ein Bild mit mir zusammen machen. Die Kleine war zwar etwas unsicher, hat sich aber riesig über das Bild gefreut. Ich sage es immer wieder, wer nicht angesehen werden möchte darf keine auffälligen Tattoos oder Piercings tragen. Schon gar nicht in Alexandria. Ich gebe zu, mir macht es manchmal Spaß aufzufallen und das konnte ich heute wunderbar ausleben. Aber noch einmal betont: Die Stimmung war immer friedlich und die Leute haben sich über diesen bunten Vogel eher gefreut als dass ich auch nur einmal das Gefühl gehabt habe, dass sich die Menschen daran gestört haben (ok, eine alte Frau hat mich erschrocken angesehen, aber ein Lächeln hat da sofort geholfen).

An
der Bibliothek angekommen dann eine kleine Enttäuschung. Wir sind an
das Gebäude nicht heran gekommen. Aufgrund einer Veranstaltung war
alles weiträumig abgesperrt. Also ging es unverrichteter Dinge auf
den Rückweg. Schon einmal vorne weg, wir haben uns den Weg natürlich
nicht richtig gemerkt.

Was man in Alexandria generell nicht zu kennen scheint sind Ampeln. Und Verkehrsregeln. Die gibt es auch nicht. Somit stellt sich sehr schnell die Frage, wie man eine dicht befahrenen sechsspurige Straße überqueren soll. Richtig! Man läuft einfach los. Die ersten Male bin ich tausend Tode gestorben. Das ist genau das vor dem man und seit Kindertagen gewarnt hat. Aber es funktioniert! Da es üblich ist einfach über die Straße zu laufen habe die Autofahrer dies auf dem Zettel und weichen aus. Hier passen Autofahrer und Fußgänger gegenseitig aufeinander auf, so dass man es in der Regel sehr gut schafft auch große Straßen zu überqueren. Nach ein bisschen Übung war ich ziemlich entspannt zwischen den Autos unterwegs. Ich habe einfach ein Faible für Chaos, glaube ich.

Wie bereits gesagt, wir haben uns den Rückweg nicht gemerkt und haben uns prompt ein wenig verlaufen. Da ich diese Zeilen nun schreiben kann haben wir den Weg am Ende offensichtlich gefunden. Fragen hat weiter geholfen. Aber im Grunde bin ich froh darüber, dass wir eben nicht auf direktem Weg zum Schiff gegangen sind. Zum einen habe wir so noch ein paar wunderbare Ecken gesehen, z.B. standen wir auf einmal inmitten des Gewirrs einer Art Souk. Und was noch viel spannender war, es wurde dunkel und die Stadt erwachte endgültig zum Leben. Die Stimmung durch die Beleuchtung noch einmal ganz anders und jeder der den Hamburger Kiez bei Tag und bei Nacht kennt weiß, im Dunkeln sieht das alles gar nicht mehr so runtergekommen aus. Und zum Schluss das persönliche Highlight: der Muezzin hat zum Gebet gerufen. Also nicht einer. Aus allen Ecken schallte der Ruf über Lautsprecher durch die Straßen. Das muss man einmal erlebt haben!

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