Kairo – Moloch mit angeschlossenen Pyramiden

Die
Pyramiden von Gizeh, wer fand sie nicht schon als Kind faszinierend.
Entsprechend ist es ein Kindheitstraum gewesen die Pyramiden von
Gizeh einmal zu besuchen. Heute sollte dieser Traum also wahr werden.

Gizeh
ist eine Stadt, die selbst mittlerweile über vier Millionen
Einwohner hat und direkt mit Kairo verwachsen ist. Wer zu den
Pyramiden möchte muss also erst einmal nach Kairo. Zusammen mit den
mit Gizeh angewachsenen Vorstädten hat die Metropole am Nil über 20
Millionen Einwohner. Und sie wächst, mehrere hunderttausend Menschen
kommen jedes Jahr neu hinzu.

Die
Fahrt von Alexandria nach Kairo führt durch das Nildelta und somit
durch den grünen Garten des Landes. Wasser wohin das Auge reicht.
Die Landwirtschaft die im Delta und direkt entlang des Nils
hervorragend möglich ist hat das alte ägyptische Reich erst möglich
gemacht. Und auch heute hängt Ägypten zu großen Teilen vom Wasser
des Nils ab.

Der erste Eindruck von Kairo ist erschreckend. Von Norden kommend fährt man durch den Stadtteil Imbaba. Auf einer Hochbrücke fährt man mitten durch halb fertige, zum Teil halb eingestürzte Hochhausschluchten. Zwischen den Gebäuden teilweise nur wenige Meter Abstand. Gebaut wird zum größten Teil illegal. Die Stadt kann dem schnellen Wachstum durch Zuzug vom Land nicht mehr Herr werden, so dass überall am Rand der Stadt diese völlig verarmten Siedlungen entstehen. Imbaba gilt als einer der größten Slums der Erde. Kairo zeigt einem wieder einmal sehr deutlich was für einen unendlichen hohen Lebensstandard wir in Deutschland eigentlich haben. Zumindest mir geht es so das ich die Jammerei in Deutschland immer schlechter ertragen kann je mehr Orte ich besucht habe, die die deutliche Mehrheit der Menschheit repräsentieren und von unseren Sorgen nur träumen können.

Unser erster Halt in der Hauptstadt soll die Ibn-Tulun-Moschee. Die Moschee ca. 1200 Jahre alt und somit die älteste noch weitestgehend im Originalzustand erhaltene Moschee der Stadt. Die Moschee wird heute weitestgehend nur noch zum Freitagsgebet genutzt. Der Grund? Sie ist veraltet. Die Einrichtungen für die rituellen Waschungen sind einfach nicht auf einem Stand, der das Gebet problemlos möglich macht.

Das Minarett der Moschee ist relativ einzigartig. In dieser Form, mit außen angelegter Wendeltreppen gibt es nur weltweit nur noch ein Minarett. Die Aussicht von dort oben ist spektakulär. Es öffnet sich ein weiter Blick über Kairo. Von hier kann man die Gegensätze der Stadt auch noch einmal gut erkennen. Im Vordergrund das Elend und im Hintergrund die glänzenden Bürohochhäuser des Geschäftszentrums.

Zur
Sicherheit in Kairo. Der letzte Anschlag hat vor zwei Jahren auf eine
koptische Kirche stattgefunden. Der Anschlag hat damals große
Proteste in Ägypten ausgelöst. Die große Mehrheit der Ägypter
lehnt Anschläge auf Andersgläubige kategorisch ab.

Auf
dem gesamten Ausflug mussten die 3 Busse die unseren Ausflug
durchführten im Konvoi fahren, geschützt durch zwei Polizeiwagen
mit schwer bewaffneten Männern. Insbesondere im engen Straßengewirr
in der Nähe der Ibn-Tulun-Moschee wurden die Straßen für unseren
Konvoi alle abgesperrt. Ich denke man wollte nicht riskieren, dass
die Busse länger zum stehen kommen. Ist das nötig? Der letzte
Anschlag auf Touristen ist nun schon einige Jahre her. Trotzdem
leidet der Tourismus immer noch massiv und dieser war die wichtigste
Einnahmequelle des Landes. Das ist mit ein Grund warum das Land
zunehmend verarmt. Unser Reiseleiter deutete an, dass man eine
riesige Angst davor hat, dass doch wieder etwas passieren könnte und
der sich ganz langsam erholende Tourismus endgültig zum Erliegen
kommen könnten. Aus diesem Grund schützt man uns deutlich besser
als es wahrscheinlich nötig gewesen wäre.

Nach
der Moschee dann das Mittagessen in unmittelbarer nähe der
Pyramiden. Und schon finde ich mich mitten in einer typischen Kim
Gesichtete wieder. Der reist nämlich in der Lobby des Hotels die
Arme hoch und begrüßt stürmisch einen Mann der dort steht. Kim war
im letzten Jahr bereits an den Pyramiden von Gizeh. Und der damalige
Reiseleiter Mohammed stand auf einmal wieder vor ihm. Ich bleibe
dabei, es gibt auf dieser Welt keinen Ort an dem der Kerl nicht
irgendjemanden kennt. Neben der Wiedersehensfreude hat das Ganze dann
auch gleich wieder sein Gutes. Wir haben jetzt seine Mail-Adresse und
Telefonnummer, bei unserem nächsten Besuch in Kairo werden wir in
guten Händen sein.

Und dann ist es soweit, wir fahren auf das Pyramidenplateau. Die Stadt ist mittlerweile bis an die Pyramiden heran gewachsen, ein weiteres Umwachsen wird aber verhindert und hinter der Anlage erstreckt sich der Blick in die Wüste.

Der Anblick der Pyramiden ist einfach gewaltig. Es ist mir ein vollkommenes Rätsel wie man es geschafft hat diese Berge aus Stein aufzuschichten. Die wirklichen Ausmaße werden einem erst bewusst wenn Menschen direkt an den Steinquadern stehen.

Die kleinste der drei Pyramiden, die Mykerinos Pyramide konnte besichtigt werden. In einer Ausflugspräsentation hatte man uns davor gewarnt, dass die Reiseführer die Tickets deutlich überteuert verkaufen würden. Da werden gerne einmal 10-15 Euro aufgerufen. Unser Guide wollte nur 6 Euro für das Ticket haben, das konnte man dann ja mal entspannt machen. Warum wir das Ticket erst beim Eintreten in die Pyramide bekommen haben konnte ich nachvollziehen. Umgerechnet hätte das Ticket 3€ gekostet. Geschäftstüchtig sind sie die Ägypter.

Über einen schmalen, steil nach unten führenden Gang geht es nach unten. Gebückte Haltung, sehr schwüle stickige Luft. Unten dann zwei Kammern und eine Treppe die noch weiter nach unten führt. Dort befindet sich dann die heute leere Grabkammer. Irgendwie war es beklemmend dort unten. Ein tolles Erlebnis einmal im Inneren einer der großen Pyramiden von Gizeh gewesen zu sein, ich war aber auch froh wieder draußen gewesen zu sein.

Letzter Stopp war dann der Sphinx von Gizeh. Der Menschenkopf auf einem Löwenkörper wurde aus dem Felsen gemeißelt, der Löwenkörper ist zum Teil gemauert. Ein wunderschöner Anblick in der untergehenden Abendsonne. Leider ist der Massentourismus hier wieder spürbar. Auf dem Pyramidenplateau verlaufen sich die vielen Menschen, hier aber wird es wieder richtig eng. Der Sphinx ist nur durch die Reste eines Tempels erreichbar. Außerdem befindet sich dann rund herum nur ein schmaler Weg. Fürs Bilder machen reicht es, die uralte Figur zu genießen fällt aber schwer.

Nun geht es zurück zum Schiff. Es war ein anstrengender Besuch in Ägypten aber auch ein sehr beeindruckender. Zum einen durch das quirlige Leben in Alexandria, das Erfüllen eines Kindheitstraumes an den Pyramiden und dem Sphinx. Aber auch durch die Eindrücke, die die riesige Armut in diesem Land bei mir hinterlassen hat.

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